10 Jahre NAJU-Langenhagen

„Es war einmal…“ mit diesem Satz beginnen nahezu alle Märchen. Doch die Geschichte, die hier erzählt wird ist ganz und gar kein Märchen. Es handelt sich um die Geschichte der Naturschutzjugend (NAJU) Langenhagen und dessen Ursprünge liegen sage und schreibe 10 Jahre zurück.
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20 Jahre NABU-Langenhagen
Die letzten 5 Jahre im Zeitraffer

Alles Gute! Nicht zum ersten Mal hat der NABU Langenhagen Grund zum Feiern. 2016 gab es ein Fest zu Ehren des 15-jährigen Jubiläums mit Kuchen, Fledermausführung und Kinderrallye durch den Eichenpark.
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NABU Fläche Kreyen Wisch kann mehr als verdoppelt werden

Ein Angebot, das eine echte Herausforderung ist. So in etwa kann man den Beginn zur Fortführung unserer Erfolgsgeschichte Kreyen Wisch beschreiben. Im vergangenen Jahr begannen die Verhandlungen zur Erweiterung unserer Naturschutzfläche nach Osten.
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Respekt gegenüber Mensch und Natur

Der NABU Langenhagen und die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen (NVL) unterstützen das von der Offenen Gesellschaft Langenhagen gestartete Projekt „Wir in Langenhagen machen mit: Mit Respekt!“
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Messbarer Erfolg im Naturschutz

Mindestens 205 Arten auf NABU Projektfläche »Kreyen Wisch« nachgewiesen
Gute Nachrichten im Naturschutz sind rar gesät - derzeit dominieren eher Begriffe wie das „Insekten-
sterben“ die Medienwelt.
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Keine Insekten, kein Wocheneinkauf!

Erst sterben Biene, Schmetterling & Co, dann die Auswahl
Gemeinsam mit dem Discounter Penny und dem Niedersächsischen Umweltministerium startete der NABU eine eindrucksvolle Aktion. Sämtliche Produkte, die es ohne Insekten nicht geben würde, wurden aus den Einkaufsregalen geräumt. […] mehr →

Heuschrecken als Bioindikatoren - NAJU findet seltene Westliche Dornschrecke in Krähenwinkel

NAJU Langenhagen findet auf der NABU-Fläche »Kreyen Wisch« die Westliche Dornschrecke, die in Niedersachsen in der Roten Liste als "stark gefährdet" eingestuft wird und nur vereinzelt zu finden ist.
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10 Jahre NAJU-Langenhagen 

Action For Nature

„Es war einmal…“ mit diesem Satz beginnen nahezu alle Märchen. Doch die Geschichte, die hier erzählt wird ist ganz und gar kein Märchen. Es handelt sich um die Geschichte der Naturschutzjugend (NAJU) Langenhagen und dessen Ursprünge liegen sage und schreibe 10 Jahre zurück.

Es war im Jahr 2012, in welchem einige Naturschützer beschlossen, es sei Zeit auch die Jugend mehr in den Naturschutz zu integrieren und so wurde die NAJU gegründet und ihnen wurde die Naturinsel bereitgestellt, um hier ein ökologisches Kleinod entstehen zu lassen.

Dieses geschah tatsächlich sehr schnell. Noch im selben Jahr wurde der Teich erweitert und ein Hochbeet angelegt. So wurde die Naturinsel direkt von Fröschen, Libellen und Insekten bewohnt. Zuletzt genannte entdeckten ebenfalls das errichtete Insektenhotel und so sollte auch dieses erweitert und das Dach erneuert und begrünt werden.
Ebenfalls in diesem Jahr bewarb sich die NAJU mit den benannten Projekten unter dem Titel „Schöner Wohnen“ auf den Dr. Strahl NABU-Jugendnaturschutzpreis. Mit ihrem Projekt erreichte die NAJU den dritten Platz mit welchem ein Scheck im Wert von 200 Euro einherging. Dies motivierte die NAJU ihre Arbeit fortzusetzen, denn nun hatten sie ein Budget, um weitere Projekte umzusetzen. Und so ging es auch voller Tatendrang direkt weiter: Die folgenden Projekte hießen dann „Trockenmauer“ und „Kräuterbeet“. Die Trockenmauer bekam ein sonniges Plätzchen und das neu angelegte Kräuterbeet wurde mit den verschiedensten Heilpflanzen und Kräutern bepflanzt.

2013 trafen sich die Jugendlichen im Wasserturm des Eichenparks und bastelten Nisthilfen für Wildbienen und Schlupfwespen. Außerdem wurde auch die Naturinsel für die Wildbienen attraktiv gestaltet und eine Wildblumenwiese ausgesät. Auch die Vögel kommen bei der NAJU nicht zu spät. Die Jugendlichen unterstützten mit einem Informationsstand auf dem Wochenmarkt über die „Stunde der Gartenvögel“ und zeigten gleichzeitig Möglichkeiten auf, wie wir es den Vögel erleichtern können wieder einen geeigneten Lebensraum zu finden.

Das Jahr 2014 startete mit einer gemeinsamen Kochaktion. Es wurden ein leckerer Eintopf auf den Tisch gezaubert und solarbetriebene Hady Ladekabel gebastelt. Im Juni nahm die NAJU mit einer 20 Personen starken Mannschaft am Stadtradeln teil. Die Mitglieder erradelten dabei über 2000 Kilometer uns sparten somit mehr als 300 Kilogramm CO2-Ausstoß. Ein weiteres Projekt der NAJU in diesem Jahr war die Artenvielfalt. An mehreren Kleingewässern wurde Pflanzen-und Tierwelt kartiert und viele verschiedene Lebensformen entdeckt. Ebenfalls zum Thema Artenvielfalt gab es einen Ausflug in das Bissendorfer Moor, welches Lebensraum für viele Bedrohte Arten ist.

Das Jahr 2015 gab es einige Mitmach-Experimente über Wasser, Luft, Schall und Energie, sowie eine Schneeballschlacht. Im Sommer ging es dann wieder zum Stadtradeln und mit Kanus zum Paddeln auf die Leineaue, um die Spuren des Bibers zu verfolgen. Außerdem gab ein einen Vortrag über Flusskrebse und dessen Lebensraum und natürlich konnten einige Exemplare auch live im Aquarium beobachtet werden.

Im folgenden Jahr 2016 ging es dann erneut um das Kräuterbeet. Es wurden neue Kantensteine gesetzt und neue Kräuter eingepflanzt. Weiterhin ging es auch in diesem Jahr zum Erlebniswochenende nach Winsen in das Bildungszentrum Gut Sunder, wo die Jugendlichen immer eine Menge Spaß an den Tümpeln, dem Fluss und auch auf dem Fußballplatz haben.

2017 stand dann ein ganz neues Projekt auf der Tagesordnung. Das Projekt Kreuzkröte. Die NAJU setzt sich auf der Kugelfangtrift dafür ein, hier den Lebensraum für die Kröte zu erhalten und beseitigt junge Gehölze, um die Gewässer frei zu halten, sodass Kreuzkröten hier ihren optimalen Lebensraum finden können. Ebenfalls wurde auf der Kugelfangtrift, sowie auf Kreyen Wisch eine Heuschreckenkartierung durchgeführt und mit Keschern, Lupengläsern und Bestimmungsliteratur bewaffnet ging es an die Arbeit. Außerdem gründete die NAJU ihren eigenen Vorstand und als erstes Projekt wurde die Naturinsel mit selbst geschreinerten Tischen und Bänken aus Europaletten möbliert.

Das Jahr 2018 startete erneut mit dem gemeinsamen Kochen einer Suppe und es wurde sich ein weiteres Mal dem Kräuterbeet gewidmet. Außerdem wurde das Hochbeet erneuert und hierfür recycelte Europaletten verwendet. Auch die Trockenmauer bekam eine Überarbeitung und wurde um einige Steine erweitert. Und auch die Wildbienen kamen nicht zu kurz, kurzerhand wurde ein Staudenbeet angelegt und so haben die Bienen den ganzen Sommer über Nektarquellen.
Um ihr Werk nun auch präsentieren zu können veranstalteten die Jugendlichen einen „Tag der offenen Insel“. Besucher konnten die Fläche betreten und sich vom Naturschutz der NAJU überzeugen lassen und Inspirationen mitnehmen.
Ein weiteres besonderes Ereignis in diesem Jahr war, wie bereits 2012 der Jugendnaturschutzpreis. Hier hatte sich die NAJU Langenhagen dieses Jahr mit dem Projekt „Natur- und Umweltbildung Langenhagen“ beworben und erreichten erfolgreich den mit 300 Euro dotierten zweiten Platz. Es folgte eine weitere Kanu Tour auf der Leine und der Teamgeist sowie der Spaß kamen auf keinen Fall zu kurz.
Außerdem beschloss ein Teil des NAJU-Vorstandes in diesem Jahr einen Kettensägenschein zu machen, welcher auch direkt beim nächsten Termin genutzt werden konnte, denn es ging mit Kettensägen und Schutzmontur auf in Richtung Engelbostel. Hier mussten auf den im Jahr zuvor Entkusselten Geländen nun ein paar kleinere Bäume gefällt werden, um den Lebensraum optimal zu gestalten.

Im Jahr 2019 engagierte sich die NAJU erneut für die Stunde der Gartenvögel. Es wurde ein Infostand im City Center Langenhagen errichtet und darüber informiert, wie an diesem Projekt teilgenommen werden kann. Darüber hinaus sensibilisierten die Jugendlichen die Bürger mit riesigen selbstgebastelten Zeitungen für das Artensterben.

Im Sommer des Jahres gab es dann die erste Intensivwoche der NAJU. Eine Woche lang trafen sich die Jugendlichen jeden Tag auf der Naturinsel, um mehrere Projekte durchzuführen. Darunter waren die Erneuerung des Insektenhotels, sowie das Errichten einer neuen Eisvogelwand. Außerdem übernahm die NAJU in diesem Jahr zum ersten Mal ein Langzeitprojekt. Es wurde sich dem Entkusseln einiger im Wietzepark beieinanderliegenden Kleingewässern angenommen. Ziel ist es, die Kleingewässer freizustellen, um sie für Amphibien bewohnbarer zu machen.

Da zu Beginn des Jahres 2020 die Pandemie das Arbeiten in größeren Gruppen nahezu stilllegte, mussten auch viele Termine der NAJU in den Jahren 2020 und 2021 ausfallen. Die Termine, die unter Hygienemaßnahmen doch stattfinden konnten, wurden fleißig zum Entkusseln von Gewässern im Wietzepark genutzt und so wurden von Termin zu Termin diese immer sichtbarer.

Eigentlich müsste ein Märchen jetzt auch mit den Worten „The End“ beendet werden, aber wie wir schon zu Beginn festgestellt haben, handelt es sich hier um eine wahre Begebenheit und somit stellt das Jahr 2022 noch lange kein Ende dar. Und wie diese kleine Reise durch die Geschichte der NAJU Langenhagen zeigt, fallen immer wieder neue Projekte an, denen sich die Jugendlichen voller Freude widmen, um gemeinsam ihren Beitrag zum Naturschutz zu leisten.


20 Jahre NABU-Langenhagen - Die letzten 5 Jahre

Aller Anfang ist schwer!

Politisch ging es in Langenhagen bewegt zu. Ein Schwimmbad wurde errichtet und der Bau eines neuen Schulzentrums ist in vollem Gange. Als Ausgleichsfläche für die Wasserwelt wurde unter anderem eine Fläche in Kananohe vorgeschlagen. 2016 begann die Sanierung des Kleingewässers in diesem Areal.

Über den Standort des Schulzentrums wurde ausgiebig verhandelt. Schließlich fiel die Entscheidung auf eine Fläche „An der Neuen Bult“. Der NABU forderte, dass die Kaltluftströme durch das Gebäude möglichst wenig beeinträchtigt werden, was leider nicht befolgt wurde. Außerdem sollen auch hier Ausgleichsflächen geschaffen werden und UV-reflektierendes Glas soll verhindern, dass Vögel gegen die Fensterscheiben fliegen.

Ein besonders großer Erfolg der letzten Jahre ist die Renaturierung der Projekt-fläche Kreyen Wisch. Deren Name kommt von dem historischen Wort für „Krähe“ und dem plattdeutschen Wort für „Wiese“. 2014 wurde das Areal an der Wietzeaue vom NABU gekauft. Dabei erhielt der Verein finanzielle Unterstützung von der Region Hannover, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und der Deutschen Post DHL Group. Die Arbeit fand im Rahmen des Projektes »Lebendige Wietzeaue« statt. Ziel ist ein Biotopverbund entlang der Wietze von Langenhagen über Isernhagen bis in die Wedemark.

Wuchs zur Zeit des Erwerbs von Kreyen Wisch noch Getreide auf der Fläche, so wurde inzwischen ein Kleingewässer angelegt und die Arteninventur 2018 ergab über 200 Tier- und Pflanzenarten auf der Projektfläche. Sogar Schlangen sind inzwischen heimisch. Neben der Ringelnatter haben sich auch weniger „spektakuläre“ Arten angesiedelt. Die Westliche Dornschrecke und der Sandohrwurm gehören dazu, ebenso Pflanzen wie der Mittlere Sonnentau, das Niederliegende Johannis-kraut, die Heide-Nelke, die Kriechweide, der Dreizahn und das Borstgras. Nach der zweiten Arteninventur 2020 wurde sogar ein professionelles botanisches Gutachten in Auftrag gegeben. Außerdem läuft seit 2016 ein fünfjähriges Vogel-Monitoring. Kreyen Wisch ist eine hervorstechende, aber bei Weitem nicht die einzige Leistung der letzten fünf Jahre. Ein weiteres Teilprojekt im Rahmen des Großprojektes »Lebendige Wietzeaue« ist »Für einen Strich mehr in der Landschaft«. Seit 2016 bemüht sich der NABU darum, in Langenhagen die Kreuzkröte wieder anzusiedeln. Dazu wurden inzwischen 26 Kleingewässer angelegt. 2020 konnte ein erstes Kröten-Monitoring durchgeführt werden. Die Kreuzkröte gilt als stark gefährdet. Erkennbar ist sie durch einen gelblichweißen Streifen auf dem Rücken, was dem Projekt seinen Namen gab.

Andere Arten können sich ebenfalls freuen. Das Volksbegehren »Artenvielfalt« ist als toller Erfolg des Jahres 2020 hervorzuheben. Ziel war eine Verbesserung des gesetzlichen Naturschutzes in Nieder-sachsen. Anstelle der 25 000 benötigten Unterschriften haben bereits in der ersten Phase 162.530 Menschen unterzeichnet. Ganze 1.195 Stimmen, also etwa 0,7 % davon, stammen aus Langenhagen. Für eine niedersachsenweite Aktion ist das ein Ergebnis, auf das man stolz sein kann, und der NABU bedankt sich bei Allen, die unterschrieben haben. Das Thema Arten-vielfalt gelangte so auf der landespolitischen Agenda ganz nach vorne und die Ziele des Volksbegehrens konnten sogar vorzeitig erreicht werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen ist seit einigen Jahren sehr erfolgreich. Auf Initiative des NABU Langenhagen wurden 27 Kleingewässer saniert, sodass sie wieder als Laichgewässer für Laubfrösche geeignet sind. 2014 wurde ein Pacht- und Pflegevertrag abgeschlossen. Konkret bedeutet das: Die Mitglieder des NABU Langenhagen kümmern sich um das Gewässer, während der Flughafen die Aktion finanziell trägt. Tatsächlich konnten die Laubfrösche wieder heimisch werden, außerdem Kammmolche und Pflanzen wie der Mittlere Sonnentau und der Pillenfarn. 2018 kam unser Engagement am Flughafen mit dem NDR-Film »Mikrokosmos am Flughafen« sogar ins Fernsehen.

Nichtsdestotrotz brachten die letzten Jahre auch besondere Herausforderungen mit sich. 2018 war das „trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung“. Ein Trend, der sich leider fortsetzt. Die letzten Sommer standen im Zeichen von Dürre und Insektensterben. Gleichzeitig haben sie uns gezeigt, wie wichtig Naturschutz ist. Mit dem Projekt »Biodiversitätsoffensive Langenhagen« kämpft der NABU Langen-hagen gegen das Artensterben. Zu diesem Zweck wurden unter anderem Hecken gepflanzt, die verhindern sollen, dass unerwünschte Samen vom Wind auf Weideflächen des Projektes »Naturweide« getragen werden. Außerdem bieten die Hecken Nistmöglichkeiten für Vögel und Nahrung für Insekten. In der Stadt wurden Nistkästen an Gebäuden angebracht, die von Vögeln und Fledermäusen genutzt werden. Besonders möchte sich der NABU Langenhagen an dieser Stelle bei den Eigen-tümer*innen bedanken, die ihre Hausfassaden zur Verfügung gestellt haben. Außerdem natürlich – wie immer – bei den Ehrenamtlichen, ohne die solche Aktionen gar nicht möglich wären.

Auch dass sich so viele junge Menschen für den Umweltschutz engagieren, ist erfreulich. Bereits 2012 wurde die NAJU (Naturschutzjugend) ins Leben gerufen. Vertreten wurde sie bisher jedoch von Erwachsenen. 2017 hat sie zum ersten Mal einen eigenen Vorstand in folgender Besetzung gewählt: Erster Vorsitzender Felix Hartmann, Dominik Meyer als zweiter Vorsitzender, Insa Brodersen als Schriftführerin und Anja Kolb als Kassenwartin. Einer der größten Erfolge der NAJU ist der im Jahr 2019 mit der Stadt Langenhagen abgeschlossene Pflegevertrag für den nordöstlichen Bereich des Wietzeparks.

Der NABU Langenhagen kann mit über 1.200 Mitgliedern zuversichtlich in die Zukunft blicken. Was uns erwartet, weiß niemand. Nichts hat uns das deutlicher gezeigt als die Pandemie. Weiterhin hält der Klimawandel die Welt in Atem. Die kommenden Jahre werden geprägt sein durch diese neuen Entwicklungen. Gleichzeitig werden bestehende Projekte weiterlaufen und bestimmt erleben wir noch viele positive Überraschungen. In diesem Sinne: Auf die nächsten fünf Jahre.


Nach Spendenaufruf

NABU Fläche Kreyen Wisch kann mehr als verdoppelt werden

Im Vergleich zur Flächenpflege durch Mahd, werden bei einer Beweidung kleinere Tiere, wie Amphibien, Reptilien, Insekten, bodenbrütende Vögel und Kleinsäuger, nicht beeinträchtigt. So leisten auch Langenhagens „Pferdestärken“ einen Beitrag zu mehr Artenvielfalt auf Kreyen Wisch.
(Foto: Ricky Stankewitz)

Ein Angebot, das eine echte Herausforderung ist. So in etwa kann man den Beginn zur Fortführung unserer Erfolgsgeschichte Kreyen Wisch beschreiben. Im vergangenen Jahr begannen die Verhandlungen zur Erweiterung unserer Naturschutzfläche nach Osten. Nachdem die Rahmenbedingungen festgelegt waren, mussten wir die für den Kauf benötigte Summe aufbringen. Ob das gelingen würde, war unklar. Unserem Spendenaufruf folgten einige Naturfreunde, sodass hier über 27.000 Euro zusammenkamen. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich für die großzügige Unterstützung bedanken! Mit diesen Geldern, einem Zuschuss der Region Hannover und eigenen Mitteln, können wir den Kauf abschließen und so unsere Projektfläche um gut 18.000 m² vergrößern. Neben dem noch zu renaturierenden Acker, besitzt der NABU Langenhagen dann auch gut 11.000 m² Laubwald mit teilweise alten Eichen.

Mit der Genehmigung des Grundstücksverkehrsausschusses der Region Hannover Anfang Juli steht der Erweiterung jetzt nichts mehr im Wege. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir planen, welche Maßnahmen wir für die Renaturierung umsetzen wollen, wie wir die Naturverjüngung im Wald verbessern und wie wir das alles finanzieren können. Eine Herausforderung dabei ist es, die Nährstoffe aus der landwirtschaftlichen Nutzung aus dem Boden zu entziehen. In den Randbereichen sollen wieder Hecken gepflanzt werden. Bei den dafür erforderlichen Arbeiten können wir sicherlich wieder die Hilfe von Ihnen gebrauchen.

Eine sehr erfreuliche Nachricht konnte uns Konrad Thye vermelden. Auf der bereits gestalteten Fläche haben sich im sechsten Jahr nach der Renaturierung Neuntöter angesiedelt und es gibt einen sicheren Brutnachweis. Damit haben wir, neben der Feldlerche und dem Rebhuhn, alle drei Zielarten für das Projekt als Brutvögel auf der Fläche. Wir sind sehr stolz auf diesen Erfolg und hoffen sehr, diesen mit der Osterweiterung der Projektfläche fortführen zu können.

Hier sehen Sie (in Gelb) die Erweiterung der Kreyen Wish.


Respekt gegenüber Mensch und Natur

Mit Respekt

Der NABU Langenhagen und die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen (NVL) unterstützen das von der Offenen Gesellschaft Langenhagen gestartete Projekt „Wir in Langenhagen machen mit: Mit Respekt!“

Natur ist ein Selbstwert und hat eigene moralische Rechte, die vom Menschen Respekt erfordern. Attribute des Respekts gegenüber Menschen und Natur sind Aufmerksamkeit, Achtung, Wertschätzung und Bewunderung. Respektlosigkeit gegenüber der Natur beruht meist auf Ignoranz und Unwissenheit.

Für den NABU und die NVL in Langenhagen ist es wichtig, dass auch kommende Generationen eine Erde vorfinden, die lebenswert ist. Deshalb setzen sie sich für den Schutz vielfältiger Lebensräume und Arten sowie für gute Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und den schonenden Umgang mit endlichen Ressourcen ein.

Wir fordern Sie auf: Treten Sie ein für mehr Respekt und geben Sie der Natur eine Stimme!

Heidelibelle auf »Kreyen Wisch«

„Mit Respekt und eine Stimme für die Natur - NABU Langenhagen und NVL“
(Foto: Andrea Hesse)

















Messbarer Erfolg im Naturschutz

Mindestens 205 Arten auf NABU Projektfläche »Kreyen Wisch« nachgewiesen

Messbarer Erfolg im Naturschutz

Dr. Oliver Katenhusen (rechts) beantwortete die botanischen Fragen der interessierten Teilnehmerinnen. Foto: NABU Langenhagen / Insa Brodersen

Gute Nachrichten im Naturschutz sind rar gesät - derzeit dominieren eher Begriffe wie das „Insektensterben“ die Medienwelt. „Natürlich ist es wichtig die ökologischen Probleme unserer Zeit zu thematisieren, jedoch noch viel wichtiger ist es, mögliche Lösungen dieser Probleme anzugehen!“ lautet das Statement von Ricky Stankewitz, dem Vorsitzenden des NABU Langenhagen und gleichzeitig Naturschutzbeauftragten der Region für Langenhagen. Weiterhin erklärt Stankewitz: „Diese Überzeugung leben wir in den vom NABU Langenhagen durchgeführten Projekten auch. Allerdings stellt sich die Frage: Wie kann gemessen werden, ob die durchgeführten Maßnahmen aus ökologischer Sicht erfolgreich sind?“

Um diese Frage zu beantworten, traf sich eine Gruppe NABU Aktiver erstmals zu einer Bestandsaufnahme der Arten auf der NABU Projektfläche »Kreyen Wisch« in Krähenwinkel. Insgesamt dreieinhalb Stunden durchforsteten die fleißigen Zähler das Gebiet mit dem Ziel, innerhalb dieser Zeit so viele Tier- und Pflanzenarten wie möglich vermerken zu können. Hin und wieder musste genauer hingeschaut werden, um den Fund korrekt zu bestimmen, wobei einfach auf das große Arsenal an Bestimmungsbüchern jeglicher Art zurückgegriffen werden konnte. Alternativ stand auch das Team zur Insektenbestimmung – Silke Brodersen und Ricky Stankewitz – zur Verfügung, die vor allem auf die kleinsten Details bei der der Bestimmung von beispielsweise Heuschrecken hinwiesen.

Der Botaniker Dr. Oliver Katenhusen, der für die Kartierung extra anreiste, war Ansprechpartner für die Bestimmung der diversen Pflanzenarten. Wie üblich nahm er sich Zeit für Fragen der interessierten „Naturgucker“ und beantwortete diese in der für ihn typischen allgemeinverständlichen Art und Weise. Die anspruchsvolle Kartierungsarbeit bestätigte sich in Form einiger besonderer Funde, wie dem Acker-Filzkraut (Filago arvensis), dem Pillenfarn (Pilularia globulifera), der Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus) und dem Niederliegenden Johanniskraut (Hypericum humifusum). Auch eine seltene Bekannte, die auf der roten Liste aufgeführte „Westliche Dornenschrecke“, welche bereits auf benachbarten Flächen gesichtet werden konnte, schloss sich den Aufzeichnungen der NABU-Mitglieder an.

Ringelnatter

Ein besonderes "Highlight" auf der Projektfläche war der Fund einer juvenilen Ringelnatter.
Foto: NABU Langenhagen / Ricky Stankewitz

Trotz der Feststellung, dass eine vollständige Artenerfassung innerhalb der gegebenen Zeit schlichtweg nicht möglich sei, hatte alle Beteiligen Spaß an der Zählung und konnten einen Erfolg von unglaublichen 205 Arten verbuchen. Den größten Anteil davon stellten mit 87 Arten die Pflanzen, gefolgt von (über ein eigens beauftragtes Vogelgutachten) 62 Vogelarten und 48 Insektenarten. Außerdem konnten mit Erdkröte, Teichfrosch und Teichmolch drei Amphibienarten, sowie mit der Ringelnatter auch eine Reptilienart nachgewiesen werden. Bei den Säugetieren gibt es Nachweise aus der Fotofalle des Fuchses, Feldhasen und Baummader. Natürlich kommen noch deutlich mehr Arten auf der Fläche vor. So konnten Kleinsäuger wie Fledermäuse und Spitzmäuse gar nicht näher untersucht werden. Auch wenn es gelang die einfach zu bestimmende Wespenspinne (Argiope bruennichi) sicher zu dokumentieren, so scheiterte die Bestimmung von weiteren Vertretern innerhalb der Artengruppe der Spinnen, sowie bei Flechten und Moose an fehlenden Kenntnissen zu den Arten .“Wir suchen immer Aktive, die sich genauer mit bestimmten Artengruppen beschäftigen und so eine Bestimmung überhaupt erst möglich machen. Dennoch, auch im Bewusstsein, dass die Liste der vorkommenden Arten unvollständig ist, können wir mit dem Ergebnis der ersten Arteninventur auf Kreyen Wisch sehr zufrieden sein. Natürlich werden wir die Fläche weiterhin sehr genau im Auge behalten und weitere Funde online unter www.naturgucker.de dokumentieren.“ sagte Stankewitz abschließend.

Für weitere Informationen zur NABU Projektfläche »Kreyen Wisch« gibt es bei Naturgucker einen direkten Gebietslink unter: https://naturgucker.de/?gebiet=28447103



Keine Insekten, kein Wocheneinkauf!

Erst sterben Biene, Schmetterling & Co, dann die Auswahl

Penny Aktion Regal leer

Sterben die Bienen, bleiben die Regale leer
(Foto: NABU Langenhagen)

Gemeinsam mit Penny und dem Niedersächsischen Umweltministerium startete der NABU eine eindrucksvolle Aktion. Sämtliche Produkte, die es ohne Insekten nicht geben würde, wurden aus den Einkaufsregalen geräumt.

Weltweit sind ein großer Teil der Wild- und Kulturpflanzen auf die Bestäubungsleistung von Insekten angewiesen. Umso dramatischer ist es, dass die Anzahl und Vielfalt der Insekten in den vergangenen Jahren drastisch sinkt. Ein Beispiel sind Wildbienen, von den etwa 550 in Deutschland vorkommenden Arten sind bereits über die Hälfte mindestens gefährdet, viele bereits ausgestorben. Bei anderen Insektengruppen ist diese Entwicklung ähnlich brisant. Die Ursachen für den dramatischen Insektenrückgang liegen maßgeblich in der industriellen Landwirtschaft. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und dem Fehlen von Strukturen wie Feldgehölzen oder Ackerrandstreifen werden Insekten direkt getötet oder finden keine Nahrungsquellen mehr.

Große Lücken in den Regalen

Um den Penny-Kunden über die unmittelbaren Folgen des Insektensterbens zu informieren, wurden in einer Filiale in Langenhagen sämtliche Produkte aus den Regalen genommen, die es so nicht mehr gäbe, wenn das Insektensterben unvermindert weitergehen würde. In Zahlen: von den 2.500 Artikeln im Penny-Sortiment sind rund 60 Prozent direkt oder indirekt von der Insektenbestäubung abhängig. Es ist paradox, dass vor allem die Landwirtschaft in hohem Maße von Insekten abhängig ist, beispielsweise für die Bestäubung der Kulturpflanzen oder für die biologische Schädlingsbekämpfung – und zugleich als einer der Haupttreiber ihres Verlustes gilt.

Auch für den Insektenschutz ist Handlungsbedarf nötig
Wenn wir also zukünftig die Bestäuber schützen wollen, ist ein Umdenken in der Landwirtschaft unausweichlich. Die Penny-Aktion trägt dabei einen wichtigen Teil zur Bewusstseinsbildung bei. Schließlich kann man sich die Folgen des alarmierenden Insektenrückgangs nicht oft genug vor Augen halten, da nicht nur die menschliche Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet wird, sondern auch das Funktionieren der Ökosysteme. Darüber hinaus wurde bei der Aktion einmal mehr deutlich, wie groß der Handlungsbedarf für das seitens der neuen Bundesregierung angekündigte Aktionsprogramm Insektenschutz ist.

Insektensterben betrifft uns alle
Die Artenzahl der Insekten hat sich in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. Besonders dramatisch ist aber der Rückgang der Individuenzahlen von bis zu 70 Prozent. Ursachen und Folgen dieses massenhaften Sterbens sind bisher nur ansatzweise erforscht. Die Konsequenzen eines ungebremsten Insektensterbens wurden uns hier auf erschreckend deutliche Weise vor Augen geführt. Ein Großteil des gesamten Lebensmittelsortiments ist von der Leistung von Bienen und vielen anderen Insektenarten abhängig. Ohne sie hätten wir sehr stark ausgedünnte Regale in den Supermärkten – und dieses Problem träfe uns dann alle. Ein eindrucksstarkes Beispiel liefert das Bild unten!

Keine Insekten - leere Regale

Ohne Biene, Schmetterling & Co. bleiben viele Bereiche der Regale leer!                           (Foto: NABU Langenhagen)



Heuschrecken als Bioindikatoren

NAJU findet seltene Westliche Dornschrecke in Krähenwinkel

Heuschrecken als Bioindikatoren

Die NAJU Langenhagen traf sich zur Kartierung von Heuschrecken und untersuchte die Insekten mit Präzisionslupen                      (Foto: Ricky Stankewitz)

Mit diesem besonderen Fund hatte nicht einmal Projektleiter Ricky Stankewitz gerechnet – im Rahmen ihres von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung geförderten Projektes »Heuschrecken« als Bioindikatoren fand die NAJU Langenhagen auf der NABU-Fläche Kreyen Wisch die Westliche Dornschrecke, die in Niedersachsen in der Roten Liste als "stark gefährdet" eingestuft wird und nur vereinzelt zu finden ist. „Wir können mit Stolz berichten, dass wir mit Kreyen Wisch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt geleistet haben und auch gefährdeten Heuschreckenarten eine neue Heimat bieten. Der Nachweis der Westlichen Dornschrecke bestätigt unsere Arbeit einmal mehr“, erklärte Stankewitz erfreut.

Mit einer Körperlänge von nur sieben bis zehn Millimeter zählt die Westliche Dornschrecke (Tetrix ceperoi) nicht unbedingt zu den Riesen unter den Heuschrecken. Sie ist auf offene Feuchtlebensräume (Gewässerufer mit wenig Vegetation) angewiesen und überwintert unter Wasser. Die flugfähige Art ist dafür bekannt, neue Lebensräume schnell zu besiedeln. Um absolut sicher zu sein, dass es sich bei der gefundenen Dornschrecke wirklich um diese seltene Art handelte, holte sich Stankewitz Rat bei Experten, die bei der exakten Bestimmung behilflich waren. Umso erfreulicher war es dann für die Jugendlichen um Projektleiter Stankewitz sowie die Betreuerinnen Christine Pracht und Silke Brodersen, dass sie tatsächlich auf die rare Art aus der Ordnung der Kurzfühlerschrecken gestoßen waren.


Präzisionslupe

Präzisionslupen und Fachliteratur halfen der NAJU bei der Bestimmung der Heuschrecken
(Foto: Ricky Stankewitz)

Durch die Förderung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung waren Kescher und Präzisionslupen angeschafft worden, die an diesem Nachmittag neben dem Bestimmungsbuch eine wichtige Hilfe für die Jugendlichen waren. Mit dem Kescher zog die NAJU über die Wiesenflächen, um anschließend ihre Funde in Becherlupen zu setzen. Einzeln wurden die Heuschrecken durch einen Bestimmungsschlüssel analysiert. Im dazugehörigen Buch konnte dann entsprechend nachgeschlagen werden und die exakte Bestimmung erfolgen. „Ohne die Präzisionslupen wäre das so nicht möglich gewesen“, freute sich Stankewitz über die Unterstützung durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Er war außerdem begeistert von dem großen Interesse, das die Jugendlichen an diesem Nachmittag wieder einmal zeigten.


Westliche Dornschrecke

Auf der NABU-Fläche »Kreyen Wisch« wurde die Westliche Dornschrecke (Tetrix ceperoi) nachgewiesen. (Foto: R. Stankewitz)

Auf der Projektfläche Kreyen Wisch, die im Winter 2015 / 2016 durch den NABU Langenhagen renaturiert wurde, konnten außer der Westlichen Dornschrecke noch zehn weitere Heuschreckenarten kartiert werden. Die Jugendlichen fanden das Große Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima), das zu einer der größten bei uns vorkommenden Langfühlerschrecken zählt, die Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus), den Braunen Grashüpfer (Chorthippus brunneus), den Verkannten Grashüpfer (Chorthippus mollis), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii), die Große Goldschrecke (Chrysochraon dispar), den Feldgrashüpfer (Chorthippus apricarius), den Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), den Wiesengrafhüpfer (Chorthippus dorsatus) und die Säbel-Dornschrecke (Tetrix subulata).

Bereits Mitte August kartierte die Naturschutzjugend (NAJU) Langenhagen bei ihrem letzten Treffen Heuschrecken auf der Kugelfangtrift in Hannover. Anzahl und Häufigkeit der Arten geben dabei den Zustand eines Lebensraums wieder. Auch das eher durchwachsene Wetter hielt die Jugendlichen nicht davon ab, sich mit Kescher, Lupen und Bestimmungsliteratur auf den Weg zur Kugelfangtrift zu machen. Auf der Fläche war die NAJU bereits im Rahmen des Projektes »Für einen Strich mehr in der Landschaft« aktiv und hatte Kleingewässer gepflegt, an denen Kreuzkröten heimisch sind. Doch auf den Magerrasenwiesen im Landschaftsschutzgebiet »Kugelfangtrift« ist nicht nur das letzte Vorkommen der Kreuzkröten in Hannover zu finden – neben seltenen Pflanzen sind hier auch verschiedene Heuschreckenarten heimisch. Schnell merkten die Jugendlichen, dass die Bestimmung ähnlicher Arten alles andere als trivial ist. „Winzige Merkmale, wie die Flügelunterkante oder einzelne Felder auf den Flügeln sind schon bedeutende Unterscheidungsmerkmale“, erklärte Projektleiter Ricky Stankewitz. Stankewitz freute sich besonders über das rege Interesse der Jugendlichen, denn gerade bei schwierigen Arten könne die Bestimmung erheblich viel Zeit in Anspruch nehmen. Eine große Hilfe bei der Bestimmung war das Buch »Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirol« der Autoren: Jürgen Fischer, Daniela Steinlechner, Andreas Zehm, Dominik Poniatowski, Thomas Fartmann, Armin Beckmann, Christian Stettmer. Neben der Roten Keulenschrecke, die auf der Roten Liste (RL) in Niedersachsen (Nds) als stark gefährdet eingestuft ist (Stand 2005), kartierte die NAJU folgende Heuschrecken: Blauflügelige Ödlandschrecke RL Nds. 2, Rotleibiger Grashüpfer RL Nds. 2, Heidegrashüpfer RL Nds 3, gefährdet, Verkannter Grashüpfer (Vorwarnliste), Rotleibiger Grashüpfer, Brauner Grashüpfer. „Dass so viele stark gefährdete RL-Arten auf der Kugelfangtrift zu finden sind, unterstreicht einmal mehr die große Bedeutung des Gebietes für den Artenschutz", fasste Stankewitz die Ergebnisse zusammen.


Eine bewegte Saison für die Kreuzkröte

Im Stadtgebiet von Langenhagen ist die Kreuzkröte praktisch ausgestorben

Kreuzkröte

»Für einen Strich mehr in der Landschaft« lautet das Projekt des NABU Langenhagen zur Wiederansiedlung der Kreuzkröte. Der Projektname bezieht sich auf den für Kreuzkröten typischen Strich auf ihrem Rücken.
(Foto: Ricky Stankewitz)

„Um die Kreuzkröte in Langenhagen ist es nicht gut bestellt“, erklärt der Amphibienexperte und erste Vorsitzende des NABU Langenhagen, Ricky Stankewitz. „Wurde sie Ende der Neunziger Jahre noch an zwei Stellen nachgewiesen, ist sie heute im Stadtgebiet ausgestorben. Ein "Sanierungsstau" im öffentlichen Naturschutzhaushalt führt - wie auf anderen Ebenen auch - zu nachhaltigen Schäden. Nur kann man eine ausgestorbene Population nicht wie ein marodes Schulgebäude einfach abreißen und neu bauen. Die genetischen Informationen der ausgestorbenen Tiere sind verloren,“ mahnt Stankewitz. Das letzte an Langenhagen angrenzende Vorkommen der Kreuzkröte befindet sich auf der Kugelfangtrift in Hannover. Die Barrierewirkung der Bundesautobahn 2 verhindert, dass Tiere von dort wieder nach Langenhagen einwandern können. Um die seltene Amphibienart in Langenhagen wieder heimisch zu machen, ist menschliche Unterstützung unumgänglich. So entstand die Idee zum Projekt des NABU Langenhagen "für einen Strich mehr in der Landschaft", bei dem es Ziel ist, die Kreuzkröte durch Schaffung geeigneter Lebensräume und eine aktive Wiederansiedlung nach Langenhagen zurückzuholen.

„Den Grundgedanken dahinter hatte die Stadtverwaltung Langenhagen im Rahmen des von der EU geförderten SPARC-Projektes zwar bereits aufgegriffen, jedoch die erforderlichen Maßnahmen nicht in die Wege geleitet“, kritisiert Stankewitz. Um bei der Wiederansiedlung erfolgreich zu sein, musste der NABU zunächst mögliche Spenderpopulationen finden. „Dabei ist es wichtig den Erhaltungszustand der Spenderpopulation zu kennen und - sofern erforderlich - zu verbessern, um durch eine Entnahme von Laich oder Larven das Vorkommen nicht zu gefährden“, erläutert der Amphibienexperte. Im vergangenen Jahr wurden erste Pflegemaßnahmen auf der Kugelfangtrift durchgeführt. Drei vorhandene Gewässer wurden entkusselt, drei ehemalige Gewässerstandorte wieder hergestellt.

Kreuzkröte

Rufende Kreuzkröte während der Paarungszeit (Foto: Ricky Stankewitz)

Die Überprüfung während der Laichsaison 2017 ergab laut NABU Langenhagen erfreuliche und unerfreuliche Ergebnisse. In den drei bestehenden Gewässern wurden erneut massenhaft Goldfische gefunden, die dort illegal ausgesetzt wurden. „Die ökologischen Schäden, welche die Fische in Naturschutzgewässern anrichten, sind enorm.“ Laut Stankewitz riefen zwar Kreuzkröten aus diesen Gewässern, jedoch wurde der Laich sofort nach dem Absetzen von den Fischen gefressen. Anders sah es bei den drei ehemaligen Gewässern aus, die wieder hergestellt wurden. Diese sind fischfrei und in allen drei Gewässern konnten zunächst Laichschnüre, später auch Larven der Kreuzkröte gefunden werden. Die Zahl der rufenden Männchen reduzierte sich im Vergleich zum Jahr 2017 um fast die Hälfte von 26 bis 30 auf 15 Rufer. „Daran zeigt sich, dass ohne unterstützende Maßnahmen die Kugelfangtrift-Population ebenfalls dem Untergang geweiht gewesen wäre“, macht Stankewitz auf die Wichtigkeit der Pflegemaßnahmen aufmerksam. Zwar können Kreuzkröten im Freiland verhältnismäßig alt werden, jedoch ist eine erfolgreiche Reproduktion für den Erhalt der Population unabdingbar. „Durch den Fischbesatz und das Fehlen alternativer Laichgewässer ist davon auszugehen, dass es in den vergangenen Jahren keinen Nachwuchs bei den Kreuzkröten gab“, ist sich Stankewitz sicher. Das konnte in diesem Jahr erfolgreich geändert werden. Der NABU Langenhagen wird den Bestand auch in den kommenden Jahren genau betrachten. Weitere unterstützende Maßnahmen sind durch die untere Naturschutzbehörde (kurz UNB) der Region Hannover geplant und werden in den nächsten Jahren umgesetzt. Um die Kreuzkröte mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu lenken, hatte der NABU Langenhagen am 20. Mai 2017 erstmals ein Kreuzkröten-Konzert im Rahmen der bundesweiten Aktion „NABU NachtnaTOUR“ im Programm angeboten.

Im Rahmen des Projektes "für einen Strich mehr in der Landschaft" werden derzeit mehrere Kleingewässer auf einer Pferdeweide in Isernhagen zwischen den Wietzeseen geplant. Auch hier ist die UNB Region Hannover Mittelgeber, sodass im Bereich Wietzeaue spätestens 2018 neue Lebensräume entstehen werden. „Mittelfristig hoffen wir auch auf Langenhagener Stadtgebiet weitere Maßnahmen für die Kreuzkröte durchführen zu können“, erklärt Stankewitz. Er ist überzeugt davon, dass im Bereich des Wietzeparks, wie auch auf derzeitigen Ackerflächen in Krähenwinkel, die im städtischen Eigentum sind, durchaus die Möglichkeit bestünde, geeignete Lebensräume für die Kreuzkröte zu schaffen. „Wir hoffen hier, dass die Stadtverwaltung ihr Versprechen aus dem SPARC-Projekt zur Kreuzkröte einlöst: Holen wir sie zurück!“, blickt Stankewitz optimistisch in die Zukunft.


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